Wandern in der Bretagne – Zöllnerpfad GR 34

aktualisiert am 29. Dezember 2025

Na klar lieben wir das Meer und das Schwimmen im Meer. Es ist ein absoluter Traum in die kühlen Fluten zu springen und dann auf einer Welle zur nächsten zu gleiten. Entweder werden dann ein paar „Bahnen“ immer parallel zur Küstenlinie eingelegt – ich ängstige mich trotz guter Schwimm-Künste immer ein wenig davor abgetrieben zu werden – oder ich schnappe mir das Bodyboard* unserer Tochter, lege mich darauf und wabere mit den Wellen auf und ab. Was aber wirklich nur geht, wenn es warm genug ist. Ansonsten ist es quasi lebensnotwendig sich im Wasser zu bewegen.

Aber heute ist es eine ganz andere Aktivität am Meer, von der ich berichten will. Eine Aktivität die oftmals vernachlässigt und sogar unterschätzt wird: Das Wandern am Meer!

Wandern entlang der Küste auf dem GR34

Wandern? Am Meer? Ja genau! Genau dort ist das Wandern beinahe noch schöner als in den schönsten Bergregionen.

Warum das so ist, ist schwer zu erklären. Vielleicht weil man direkt auf dem Sandstrand wandern kann und das bestenfalls barfuß.
Der absolute Traum: frag da mal unsere Tochter. Diese verschwitzten Füße in dicken Bergschuhe fallen dabei weg.
Es gibt nichts größeres als ganz frei durch die Wellen zu rennen, zu springen, sich nass zu spritzen und die Gischt einzuatmen. Und das ist auch für mich tatsächlich das Größte, nicht nur für unsere Tochter.
Uns wisst ihr schon, dass das fast zu jeder Jahreszeit geht und nicht nur in den warmen Sommermonaten?
Gut im Winter ist es schon etwas für Hartgesottene, aber im März/April: herrlich! Wenn sich die Füße auch irgendwann so anfühlen, als ob sie gleich abfallen.

Übrigens ist das Wandern am Meer, und damit meine ich direkt an der Meeresbrandung, unglaublich gesund für die Atemwege und auch eine Wohltat für Allergiker oder Asthmatiker. Allerdings benötigt es schon ein paar Wochen um bei Letzteren richtige Resultate zu erzielen. Also plant ein paar schöne Urlaubswochen ein, oder zieht einfach direkt ans Meer (das wäre ja jetzt so mein Traum für irgendwann – oder wenn es mit der französischen Sprache besser klappt).
Nach diesem Marsch im Frühjahr hatten wir übrigens eine etwas unschöne Gesichtsfarbe: unterschätze also nicht die Strahlung am Wasser, auch nicht in der Nebensaison.

Der bekanntesten Weitwanderweg an der bretonischen Küste

Wandern an der Küste der Bretagne gehört einfach zum Programm dazu. Sicherlich ein Drittel der Touristen, wenn nicht sogar mehr, reist in diese wunderbare Region um wandern zu gehen. Denn abgesehen von Spaziergängen direkt am Meer kann man die gesamte Küstenregion auf einem durchgehenden Weg abwandern und aufgrund der vielen Landmarken, Kaps und Aussichtpunkte unglaubliche Ausblicke auf das weite Meer erhaschen.

Einer der bekanntesten Fernwanderwege ist der GR® 34, der Zöllnerpfad. Auf diesem Wanderweg kannst du tatsächlich die gesamte bretonische Küste erkunden. Unglaublich, oder? Der Weg verläuft vom Mont-Saint-Michel bis zur Brücke von Saint-Nazaire ganz im Süden der Bretagne und hat eine Gesamtlänge von 2000 km. Die rot-weiße Markierung leitet dich dabei auf deinem Weg.

Jeder Teilabschnitt bringt dich in eine ganz andere Landschaft, von der romantischen und lieblichen rosa Granitküste und den Wegen durch Ploumanac’h, über die Höhepunkte am Cap d’Erquy und Cap Fréhel, dem über 100 Meter hohen Pointe de Plouha bis hin zum Ende der Welt am Pointe du Raz oder dem einmaligen Pointe den Pen Hir auf der Halbinsel Crozon. Auch das Departement Morbihan mit seiner wilden Küstenlandschaft rund um Quiberon und den idyllischen Golf von Morbihan, du kannst so viele schöne Gegenden entdecken, die dir mit dem Auto sonst verborgen blieben.

Zöllnerpfad Ploumanach
Zöllnerpfad Ploumanach

Die Geschichte des Zöllnerpfads

Auf dem Weg, der im Jahre 1791 eingerichtet wurde, patrouillierten damals tatsächlich Zöllner, die Schmuggler entlarven und aufhalten sollten. Daher rührt auch die Bezeichnung Zöllnerpfad. Die Zöllner mussten zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei jedem Wetter die Küste kontrollieren, ein nicht gerade leichter Job!
1968 wurde er von einigen Begeisterten dann zu einem Wanderweg umgebaut, Eine gute Entscheidung, würde ich sagen.

Um deine Route zu planen, kannst du diese Karte für den nördlichen Teil der Bretagne* oder diese für den südlichen Teil der Bretagne* nutzen. Sie bieten einen guten Überblick über den Streckenverlauf.
Weiteres Details erhältst du auf folgenden französischen Seiten:

Auf MonGR.fr kannst du besonders ausführliche Ratgeber für jeden Teilabschnitt bestellen, wenn du dich auf eine bestimmte Region festlegen willst.
In der Regel erhältst du aber auch in den jeweiligen Offices de Tourisme Prospekte und Kartenmaterial (in einer etwas abgespeckten Variante), sodass du keine Schwierigkeiten haben solltest eine schöne Wanderungen in deiner Urlaubsdestination für einen halben Tag damit zu planen.

Die zwei schönsten Routenabschnitte des GR34

Hach was soll ich sagen, die Bretagne ist einfach überall so wunderschön und daher ist die Entscheidung für die schönsten Streckenabschnitte alles andere als einfach. Aber wenn man sich entscheiden muss, dann würde meine Wahl auf zwei wunderschöne Regionen fallen.

Zöllnerpfad an der rosa Granitküste

Die Strecke ist bezogen auf die Kondition sicherlich für geübte und trainierte Wanderer. Aber man kann ja auch einfach abkürzen oder nur Teilstrecken wählen. Dieser Abschnitt führt dich entlang spektakulärer Landschaften von Trégastel bis Lannion, mit beeindruckenden Felsen, malerischen Buchten und türkisfarbenen Meer.
17 km Streckenlänge, circa 4 Stunden und 30 Minuten Gehzeit.

Zöllnerpfad an der Penthièvre Küste

Dieser Abschnitt ist vom Anspruchsniveau etwas seichter. Allerdings kann es auch hier ordentlich anstrengend werden, besonders auf den zum Teil steilen Wegen an den Aussichtspunkten oberhalb des Meeres. Am Cap d’Erquy gibt es übrigens viele Einzelwege und auch wenn es eine gute Beschilderung gibt, ist eine Wanderkarte hier wirklich vorteilhaft.

Die Route verläuft entlang des schönen Strandes von Pléneuf-val-André bis zum Cap Erquy und dann weiter zum Hafen Erquy.
14 km Streckenlänge, circa 3 Stunden und 30 Minuten Gehzeit

Alle Abschnitte auf dem GR34

Dern Tourismusverband der Bretagne hat mehrere Beschreibungen für verschiedene Streckenabschnitte erstellt. Alle Beschreibungen sind ins Deutsche übersetzt und recht ausführlich geschildert. Wenn ihr also noch etwas genauer nachlesen wollt, könnt ihr das auf der Tourismusseite sehr gut machen.

Beschrieben werden dort folgende Routen:

Praktische Tipps für das Wandern auf dem GR34

So romantisch und wunderschön das Wandern entlang der bretonischen Küste auch ist – ein wenig Vorbereitung schadet nicht. Denn der GR34 ist zwar hervorragend markiert, aber dennoch ein echter Küstenwanderweg mit ganz eigenen Herausforderungen.

Schuhe & Kleidung
Auch wenn das Barfußlaufen am Strand traumhaft ist: Für den Großteil des GR34 brauchst du gute, rutschfeste Wanderschuhe*. Viele Abschnitte führen über schmale Pfade, Felsen oder wurzelige Wege oberhalb der Klippen. Besonders nach Regen kann es dort glatt werden.
Das Wetter an der Küste wechselt schnell, deshalb gehören Windjacke*, Sonnenschutz und eine Kopfbedeckung* immer in den Rucksack – selbst an vermeintlich kühlen Tagen. Wir hatten ein besonderes Erlebnis am Sillon de Talbert, die Sonne brannte plötzlich so heftig, dass wir uns unsere zuvor noch getragenen Regenjacken über den Kopf legen mussten. Es war einfach nur unerträglich heiß und stickig. Also: nie wieder ohne Sonnenhut.

Ebbe und Flut beachten
Einige Teilstücke verlaufen direkt am Strand oder durch kleine Buchten. Hier solltest du unbedingt die Gezeitenzeiten im Blick behalten. Bei Flut sind manche Passagen nicht oder nur schwer passierbar. Ein Blick auf den lokalen Gezeitenkalender kann dir also so manchen Umweg ersparen und vermeiden von der Flut überrascht zu werden. Du kannst auch einfach online auf maree.info schauen.

Verpflegung & Wasser
Nicht jeder Abschnitt führt an Dörfern oder Cafés vorbei. Plane deshalb ausreichend Wasser und kleine Snacks ein – besonders an heißen oder windigen Tagen unterschätzt man den Flüssigkeitsbedarf schnell.

Etappen flexibel planen
Der große Vorteil am GR34: Du musst keine langen Etappen am Stück laufen. Viele Abschnitte lassen sich wunderbar abkürzen oder kombinieren, je nach Lust, Kondition und Wetter. Gerade mit Kindern oder bei spontanen Wetterumschwüngen ist diese Flexibilität Gold wert.

Wandern auf dem Zöllnerpfad mit Kindern – geht das?

Diese Frage bekomme ich tatsächlich öfter gestellt – und die Antwort lautet ganz klar: Ja, absolut!
Allerdings kommt es stark auf den gewählten Abschnitt an.

Viele Teilstücke des GR34 eignen sich hervorragend für Familien. Besonders Abschnitte mit Strandnähe, wenig Höhenmetern und kurzen Distanzen machen Kindern richtig Spaß. Das Meer ist immer in Sichtweite, es gibt unendlich viel zu entdecken – Muscheln, Steine, kleine Krebse in den Felsen – und Pausen lassen sich wunderbar am Strand einlegen.

Unsere Tochter liebt es, zwischendurch einfach die Schuhe auszuziehen, durchs Wasser zu laufen oder über Felsen zu klettern. Genau diese Abwechslung macht das Wandern am Meer so besonders familienfreundlich.

Weniger geeignet sind dagegen schmale Klippenpfade mit steilen Abstiegen oder längere Etappen ohne Ausstiegsmöglichkeiten. Hier empfiehlt es sich, vorab gezielt familienfreundliche Routen auszuwählen oder nur kurze Teilstücke zu gehen.
Meine Empfehlung ist es einen Teilabschnitt rund um Ploumanac’h zu wählen. Die Wege sind gut ausgebaut, nicht steil und die rosa Felsen sind ein Erlebnis für sich. Weniger geeignet sind die Routen rund um Cap Fréhel oder das Cap d’Erquy – da hatte ich doch ordentlich mit meiner Höhenangst zu kämpfen.
Anders sieht es natürlich aus, wenn ihr alpine Bergtouren gewöhnt seid, dann stehen euch auch mit euren Kids viele Routen offen.

Der Zöllnerpfad ist kein klassischer „Kinderwanderweg“, aber mit der richtigen Planung ein echtes Abenteuer für die ganze Familie – und eine wunderbare Alternative zu klassischen Strandtagen.

Wie ist es denn bei dir? Bist du ein Wander-Fan und würdest auch den Zöllnerpfad einmal ausprobieren oder hältst du so gar nichts vom Wandern?

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